Silberpflege

Warum läuft Silber überhaupt an?

Angelaufenes Silberbesteck

Silber ist für seinen typischen Glanz bekannt. Daher sind Silberbesteck und -geschirr Teil des Zaubers, der eine festliche Tafel ausmacht. Allerdings kann es passieren, dass sich die Oberfläche des Silbers mit der Zeit bräunlich oder gar schwarz verfärbt. Warum das so ist und wie Sie Ihr Silber vor dem Anlaufen schützen können, erfahren Sie im folgenden Artikel. Außerdem erhalten Sie eine Antwort auf die Frage, ob das angelaufene Silber mit Gesundheitsrisiken verbunden ist.

Deswegen sollte man Silberbesteck niemals als Eierlöffel verwenden

Zu einem Frühstück an besonderen Tagen ist es durchaus angemessen, das gute Silberbesteck aufzulegen. Zum Löffeln der Eier aber ist es denkbar ungeeignet. Sollten Sie doch einmal versehentlich einen Silberlöffel dafür verwenden, wird es mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer unangenehmen Überraschung kommen. Selbst perfekt gekochte, tagesfrische Eier können davon nämlich metallisch schmecken. Schlimmstenfalls entfalten sie sogar einen Geruch und Geschmack nach "faulen Eiern". Außerdem wird das Silber anlaufen und unansehnlich werden. Aus diesem Grund hielt schon Oma für solche Anlässe einen Satz ebenfalls wertvoller Perlmuttlöffel bereit.

Was passiert genau, wenn Gegenstände aus Silber anlaufen?

Silber vereinigt viele herausragende Eigenschaften in sich. Eine davon ist die, dass es Licht zu über 99,5 % reflektieren kann. Das ist einzigartig unter den Metallen. Zudem ist Silber ein Edelmetall. Das heißt, dass es nicht rostet beziehungsweise beim Kontakt mit Sauerstoff nicht oxidiert. Allerdings kommt es mit Schwefel beziehungsweise Schwefelverbindungen zu einer chemischen Reaktion, bei der Silbersulfid entsteht. Auch hier spricht man im erweiterten Sinne von einer Oxidation. Grundsätzlich geht es dabei um eine Reaktion, bei der ein Stoff Elektronen an einen anderen überträgt. Während der abgebende Stoff dabei oxidiert beziehungsweise seine elektrochemische Wertigkeit erhöht, wird der annehmende Stoff reduziert. Zusammengenommen geht es also um eine chemische Reduktion und Oxidation, kurz: Redoxreaktion.

Eier beispielsweise enthalten eine hohe Konzentration an schwefelhaltigen Aminosäuren wie Cystein und Methionin. Sie bauen ihren Schwefelanteil zu Schwefelwasserstoff ab. Bei einem Kontakt mit dem übel riechenden Schwefelwasserstoff wiederum oxidiert das Silber bei Anwesenheit von Sauerstoff zu schwarzem Silbersulfid. So passiert es sehr schnell, dass Löffel aus Silber anlaufen und dabei dunkel werden, wenn sie in Kontakt mit Ei kommen. Auch andere schwefelhaltige Lebensmittel wie Fisch oder Hülsenfrüchte beschleunigen die Bildung von Silbersulfid. Selbst der Gehalt an Schwefelwasserstoff in der Luft reicht aus, um Silber anlaufen zu lassen.

Kann auch 925 Sterling Silber anlaufen?

Tatsächlich kann auch 925 Sterling Silber anlaufen. Es besteht zu 92,5 % aus Silber und zu 7,5 % aus einem unedlen Metall, meistens Kupfer. Obwohl der Kupferanteil selbst nicht für die Entstehung von Silbersulfid beziehungsweise das Anlaufen des Silbers verantwortlich ist, kann er doch das Auftreten einer Verfärbung unterstützen. Ein höherer Kupferanteil wie im 800er Echtsilber mit 800 Teilen Silber und 200 Teilen Kupfer wirkt sich jedoch erfahrungsgemäß nicht weiter auf die Anlauf-Anfälligkeit aus. Das ist auch deswegen so, weil 800er ebenso wie 925er Qualitätssilberteile in vielen Fällen galvanisch mit einer 1000er Reinsilberschicht versehen werden. Bei reinem Silber vollzieht sich das Anlaufen und die Bildung von Silbersulfid nämlich langsamer als bei Sterlingsilber oder anderen Silberlegierungen.

Warum ist dann überhaupt Kupfer in 925 Sterling?

Dass Silber überhaupt mit Kupfer legiert wird, hängt mit einer weiteren Eigenschaft des Edelmetalls zusammen. Silber ist sehr weich. Auf der Mohs-Skala hat es einen Härtegrad von nur 2,5. Damit lässt sich pures Silber sehr leicht verformen und problemlos mit dem Fingernagel zerkratzen. Um eine bessere Härte und mehr Formstabilität zu erreichen, wird Silber daher praktisch immer mit anderen Metallen legiert. Mit Eisen ist das jedoch nicht und mit Metallen wie Chrom oder Nickel nur eingeschränkt möglich. Eine Legierung mit Palladium kommt zwar infrage und würde auch dem Anlaufen und Entstehen von Silbersulfid entgegenwirken. Nur ist Palladium aktuell teurer als Gold. Daher wird in der Regel Kupfer als Legierungspartner gewählt. Im Ergebnis kann zwar auch 925er Sterling Silber anlaufen, ist aber in den Punkten Handhabung und Haltbarkeit reinem Silber überlegen.

Silber in der Spülmaschine reinigen - eine gute Idee?

Sterlingsilber ist eigentlich spülmaschinenfest. Weder die Behandlung durch die Spülmaschine noch ein geeignetes Spülmittel lassen Besteck, Becher oder Teller aus Silber anlaufen. Es sind vielmehr komplex zusammengesetzte Reinigungsmittel, darunter viele Spülmaschinentabs, die das Anlaufen begünstigen. Auch schwefelhaltige Speisereste von anderen Gegenständen in der Spülmaschine, die in Kontakt mit dem Silber geraten, können zu Silbersulfid reagieren. Um das zu verhindern, ist es daher besser, genutztes Silberbesteck und Silbergeschirr von Hand in der Spüle mit einem milden Spülmittel und einem weichen Schwamm zu reinigen.

Ist angelaufenes Silber beziehungsweise Silbersulfid giftig?

Die vom Silbersulfid verursachten Verfärbungen sind gesundheitlich völlig unbedenklich. Sie beeinträchtigen lediglich die Optik des Silbers. Die Vermutung liegt zwar nahe, da der bei der Oxidation beteiligte Schwefelwasserstoff nicht nur enorm übel riecht, sondern auch hochgiftig ist. Das Oxidations-Ergebnis ist aber mit keinerlei Gefährdung der Gesundheit verbunden.

So schützen Sie Ihr Silber vor dem Anlaufen

Eine der besten Methoden, um zu verhindern, dass Silber anlaufen kann, besteht darin, es häufig zu nutzen. Beim jedem Gebrauch polieren Sie Ihr Silberbesteck quasi mit den Händen. Dadurch schaffen sie eine glattere Oberfläche, auf der sich Silbersulfid nicht so leicht bilden kann. Bei Deko-Objekten aus Silber erreichen Sie diesen Effekt, indem Sie sie regelmäßig am besten mit einem Silbertuch polieren. Soll das Silber aber doch einmal im Schrank gelagert werden, ist es sinnvoll, es in Samt einzuschlagen oder spezielle Silbertaschen, -abdecktücher beziehungsweise -kassetten zu verwenden. Außerdem trägt ein Stück Kreide im Silberschrank oder in der Silberschublade dazu bei, Schwefelwasserstoff in der Luft zu binden.

Sie können dem Anlaufen von Silber außerdem vorbeugen, indem Sie vorsichtig bei der Anwendung von Hausmitteln zur Silberreinigung sind. Das häufig empfohlene Bad in einer mit Alufolie ausgelegten und Salzwasser gefüllten Schüssel beispielsweise kann zwar kurzfristig Silbersulfid verschwinden lassen, führt aber dauerhaft dazu, dass Ihr Silber schneller anläuft. Klaus Neubauer, einer der Geschäftsführer der Tafelsilber Kontor GmbH, weist auf diesen Zusammenhang und weitere Themen detailliert in einem Experteninterview hin.